Westpreußen PDF Drucken E-Mail
Aus der Geschichte Westpreußens

Das Land

Westpreußen lag in der Beuge der Ostsee unterhalb der Danziger Bucht um die Mündung der Weichsel herum, es zog sich bis zur Netze im Süden herunter. Da Flussläufe älteste natürliche Handelsstraßen sind, ergab sich schon aus dieser Lage die Bedeutung des Landes für die Erschließung des Ostens und Südostens bis zum Schwarzen Meer in Fortführung der vom Westen, Norden und Nordwesten kommenden Land- und Seewege.
Zu diesen für Handel und Verkehr besonders günstigen Bedingungen kommt eine stellenweise überdurchschnittliche Fruchtbarkeit. Die Bodengestalt ist seit Auftreten des Menschen im Wesentlichen die gleiche geblieben.

Größe und Bevölkerung

Die Provinz Westpreußen erstreckte sich über eine Fläche von 25.550 km² (Stand 1918). Die Zahl der Einwohner belief sich nach einer Volkszählung aus dem Jahre 1910 auf rund 1.703.400 Personen. Davon bezeichneten sich rund 789.000 Personen als evangelisch und 882.800 Personen als katholisch. Als von deutscher Herkunft bezeichneten sich 1.097.900 Personen; rund 475.700 Personen gaben sich als polnischer und rund 107.100 Personen als kaschubischer Herkunft aus.
Der Bevölkerungsanteil an Mennoniten im Jahre 1890 belief sich auf 13.833 Personen, die vorwiegend im Großraum Danzig (7.937 Personen) und im Landkreis Marienwerder (2.137 Personen) ansässig waren.

Vorgeschichte

In der Jungsteinzeit (4000 – 2000 v.Chr.) verbesserten sich die klimatischen Voraussetzungen. Deshalb wurde das Land zunächst von Jägern und Fischern und dann erst von einer bäuerlichen Bevölkerung besiedelt, die mehr auf Viehhaltung als auf Ackerbau eingestellt war. Es entstand so die Mischgruppe der Haffküstenkultur.
Die frühere Bevölkerungsgeschichte des Weichsellandes ist nicht einheitlich verlaufen. Bis zur älteren Bronzezeit saßen im Gebiet der unteren Weichsel die Nachkommen der Haffküstenkultur.
Im Verlauf der Bronzezeit ist das Gebiet zwischen Oder und Weichsel unter den Einfluss und Siedlungsbereich zweier in ihrem Charakter sehr verschiedener Kulturkreise gelangt.
Von Süden her breitete sich die „Lausitzer Kultur“ aus, während von Südschweden und Dänemark die nordisch-germanische Kultur mitgebracht wurde. Viele antike Quellen überliefern eine mehrere Jahrhunderte anhaltende Niederlassung der Ostgermanen im Weichselland. Erst vom 4. nachchristlichen Jahrhundert an erfolgte eine Weiterwanderung.

Besiedlung

Nach der Völkerwanderungszeit (5.-7. Jh.) war das Weichselland nur noch spärlich von ostgermanischen Siedlern bewohnt. Dieser Umstand veranlasste die Pruzzen, ihr Gebiet von der Passarge nach Westen bis an die untere Weichsel auszudehnen. Zu Beginn des Mittelalters (8. – 10. Jh.) kamen slawischen Wenden aus ihrer im westlichen Rußland gelegenen Urheimat in das Land zwischen Weichsel und Elbe. In der Zeit vom 9. – 11. Jahrhundert erlebte Westpreußen mehrfach eine letzte Zuwanderung von Nordgermanen. Die Wikinger kamen aus Dänemark und Schweden über die Ostsee, um bei den Preußen und Wenden Handelsniederlassungen zu gründen.Höhepunkt der Zuwanderung war das erste Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts und 1820 hatte sie bereits ihr Ende erreicht. Die weitere Siedlung geschah durch Binnenwanderung der nächsten Generationen.
In der Provinz Westpreußen haben seit dem Mittelalter Pruzzen, Kaschuben, Polen, Deutsche, Holländer, Juden und Mennoniten nacheinander, nebeneinander und miteinander gelebt, in einer ihnen weitgehend durch politische Umstände aufgezwungenen, nicht unbedingt ideal zu nennenden Schicksalsgemeinschaft, ein keineswegs gleichmäßig verteiltes Bevölkerungs- gemisch, dessen unterschiedliche Zusammensetzung unterschiedliche Auffassungen und Ziele entsprachen.



Geschichtlicher Hintergrund

997 und 1009 erste christlichen Missionen; die Missionare Adalbert von Prag und Brun von Querfurt wurden erschlagen

1198 Geburtsstunde des Deutschen Ritterordens Deutsche Johanniter erhalten ausgedehnten Besitz um Schöneck und Stargard

1225/26 ersucht Herzog Konrad von Masowien den Deutschen Orden, ihm im Kampf gegen die heidnischen Prussen beizustehen, wofür er ihm unter anderem das Kulmer Land verspricht

1231 Herman Balk überquert die Weichsel und gründet die Burg und Stadt Thorn

1231 Gründung der Stadt Marienwerder

1233 die Stadt Kulm wird gegründet

1237 der Deutsche Orden und Lübecker Bürger bauen Burg, Stadt und Hafen Elbing

1242 erster Prussenaufstand gegen den Orden

1260 zweiter Prussenaufstand gegen den Orden

1272 Baubeginn der Marienburg am rechten Nogatufer

1276 südwestlich der Burg – Stadtgründung von Marienburg

1309 im Vertrag von Soldin erwirbt der Deutsche Orden Pommerellen mit Danzig; der Hochmeister nimmt Sitz auf der Marienburg; Höhepunkt der Zuwanderung deutscher Siedler

1386 schafft die Vereinigung Polens mit Litauen eine europäische Großmacht und neue Bedrohung für den Ordensstaat

1409 Ausbruch des Krieges zwischen Orden und Polen – Litauen

1410 katastrophale Niederlage des Ordens bei Tanneberg (Grunwald)

1411 Erster Thorner Friede. Die Grenzen des Ordensstaates bleiben bestehen

1440 Gründung des Preussischen Bundes in Marienwerder. Rebellion von 19 Städten gegen den Orden

1454 die preußischen Stände kündigen dem Hochmeister den Treueid. Beginn des 13jährigen Krieges zwischen Orden, Preußischem Bund und dem König von Polen

1466 Zweiter Thorner Friede. Westliche Teile kommen unter Schutzhoheit des Königs von Polen

1525 der Restordensstaat wird in ein weltliches Herzogtum umgewandelt

um 1530 kamen erste Niederländer in das Weichselmündungsgebiet

1543 erste holländische Siedlungswelle. Karl V. verweißt Protestanten aus dem Land, die sich im Herzogtum Preußen ansiedeln

1556 zweite holländische Siedlungswelle

1569 Polen erklärt im Lubliner Dekret das Preußen königlichen Anteils einseitig zur polnischen Provinz

1577 im Streit um städtische Privilegien belagert der polnische König erfolglos die Stadt Danzig

1626-1635 der erste schwedisch – polnische Krieg wird im Weichseldelta ausgetragen und durch den Stuhmsdorfer Frieden beendet. Adolf von Schweden macht Elbing zu seinem Hauptquartier

1655-1660 der zweite schwedisch-polnische Krieg endet durch den Frieden von Oliva. Kurfürst Friedrich-Wilhelm von Brandenburg erhält Prussen und das Fürstbistum Ermland von Schweden zum Lehen

1700-1721 im Großen Nordischen Krieg leidet das Kulmer Land unter allen Kriegsbeteiligten

um 1750 wurde in Westpreußen der westpreußische Dialekt „Plautdietsch“ auf das Hochdeutsche umgestellt

1758-1762 während des Siebenjährigen Krieges dient das Kulmer Land und Graudenz als Hauptstützpunkt russischerTruppen

1772 ging das Land an der unteren Weichsel von dem polnischen König an Preußen und nannte sich seither „Westpreußen“

1793 Danzig und Thorn kommen zur Provinz Westpreußen im Königreich Preußen

um 1780 große Auswanderungswellen nach Russland (Hauptkolonistenwerber Georg von Trappe warb für Russland mit Landangeboten von 65 Hektar pro Familie; dadurch konnte er viele zur Auswanderung bewegen)
- das „Plautdietsch, dass die mennonitischen Auswanderer nach Russland mitnahmen wurde an der Ostsee bis nach Mecklenburg-Vorpommern gesprochen

1807 -1813 Franzosenzeit: Napoleon nahm vom 1. April bei 6. Juni 1807 Quartier auf Schloss Finkenstein Danzig wird im Frieden von Tilsit Freie Stadt

1815 Neuordnung der Provinz Westpreußen mit der Hauptstadt Danzig

1829 Zusammenlegung West- und Ostpreußens zu einer Provinz Preußen mit Hauptstadt Königsberg

1871 nach Gründung des Deutschen Reiches – vehemente Germanisierungspolitik im preußischen Teilungsgebiet. Große Teile der ost- und westpreußischen Bevölkerung wandern in die Industriegebiete an Ruhr und Rhein sowie nach Berlin ab

1878 Westpreußen und Ostpreußen werden wieder selbständige Provinzen. Danzig wird Hauptstadt Westpreußens

1919 Vertrag von Versailles: Vierteilung Westpreußens. Danzig wird „Freie Stadt“, der Mittelteil der Provinz wird „polnischer Korridor“ zur Ostsee, Ostpreußen wird vom Land isoliert, das Memelgebiet wurde an die Alliierten abgetreten

1920 Volksabstimmung: im Abstimmungsgebiet Marienwerder stimmen insgesamt 92,3 % der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland. Die Kreise Marienburg, Marienwerder, Stuhm, Rosenberg und die Stadt Elbing werden als Regierungsbezirk Westpreußen der Provinz Ostpreußen angegliedert

1939 nach der Besetzung Polens - Gründung des NS-Reichsgaus Danzig-Westpreußen

1944 die Evakuierung der Bevölkerung wird vorbereitet – unter dramatischen Verhältnissen treten Millionen Menschen die Flucht nach Westen an

1945 besiegelt die Endphase des 2. Weltkrieges auch das Schicksal Westpreußens. Der Großteil der deutschen Bevölkerung flieht vor den sowjetischen Truppen. Das Potsdamer Abkommen vom 2. August stellte die ehemaligen deutschen Gebiete unter polnische bzw. sowjetische Verwaltung. Die noch ansässige deutsche Bevölkerung wird vertrieben.
Letzte Aktualisierung ( 18.05.2006 )