Kulturhistorisches Erlebnisdorf PDF Drucken E-Mail


Können Sie sich einen gemeinsamen Geschichtsunterricht mit polnischen und deutschen Schülern in einem kulturhistorischen Feriendorf in der Weichselniederung nicht weit ab von Gdansk (Danzig) und Malborg (Marienburg) vorstellen?
Ein Unterricht bei dem Lehrer den Schülern nicht kognitiv etwas vermitteln, sondern sie gemeinsam in die Lebenswelt der Menschen einer vergangenen geschichtlichen Epoche eintauchen, konkret der Epoche, als Bauern und Handwerker verschiedener Nationalitäten das Schwemmland des Weichseldeltas urbar gemacht und eine einzigartige Kultur hervorgebracht haben?
Ein Unterricht, der eine Mischung aus Museumsbesuch, Theaterspiel, Schulunterricht, internationaler Ferien- begegnung und Abenteuer ist?

Oder können Sie sich eine Familie vorstellen, die mit ihren Kindern Ferien in Polen auf einem norddeutschen Bauernhof einer mennonitischen Familie - innerhalb eines kulturhistorischen Feriendorfes - macht, wie es ihn vor ca. 150 Jahren in dieser Gegend vielfach gegeben hat, um zu erleben, wie Menschen ohne Hochtechnologie in einer ihnen zunächst fremden Umwelt gewirtschaftet haben?

Es geht uns um eine erlebnisorientierte Vermittlung von Geschichte in einem Teil Europas, der von unseren Vorfahren maßgeblich mitgestaltet wurde, und somit für das Verständnis zwischen Polen und Deutschen von Bedeutung ist. Uns geht es nicht in erster Linie um die Konservierung von Museumsexponaten oder um die literarische Aufarbeitung, sondern um das Nacherleben von Ereignissen. Aus diesem Grund wollen wir einen Ort schaffen, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene eine Zeitreise machen und eine gewisse Zeit so leben können, wie die Menschen damals gelebt haben.

Das Gebiet der slawischen Pruzzen, welches vom Deutschen Ritterorden erobert und an das polnische Königreich abgegeben wurde, ist durch die Jahrhunderte immer wieder Spielball der politischen Machtverhältnisse gewesen.

In der Zeit nach der Reformation ist insbesondere das Schwemmland der Niederungsgebiete der Weichsel maßgeblich von aus Holland und Norddeutschland stammenden Mennoniten besiedelt und urbar gemacht worden.

Diese Epoche der Besiedlung ist geprägt gewesen von kultureller Vielfalt und einem enormen Zusammenhalt von Menschen verschiedener Nationalität und unterschiedlicher Glaubensrichtungen.

Die wechselvolle Geschichte dieses Gebietes ist besonders geeignet für ein Projekt das anknüpft an eine Tradition der Verständigung, trotz verschiedener Sprachen, verschiedener Nationalitäten und verschiedener Kulturen.

Wir sind der Überzeugung, dass Völker, ebenso wie einzelne Menschen, sich besser verstehen, und ihre Zukunft freier gestalten können, wenn sie ihre Geschichte kennen.

Im grenznahen Raum gibt es zwischen Polen und Mecklenburg-Vorpommern schon eine Reihe gemeinsamer Projekte. Unser Vorhaben ist jedoch auf ein Gebiet Polens gerichtet, das weit im inneren des Landes liegt. Dennoch fahren viele Urlauber weit durch das Land um es wieder, oder völlig neu zu entdecken.

Mit Blick auf das ehemalige Westpreußen muß nach unserer Auffassung deutlich gemacht werden, dass es sich um ein geographisches Gebiet handelt, in dem Menschen verschiedener Nationalität seit Jahrhunderten miteinander gelebt und Kulturgeschichte geschrieben haben.

Wir wollen ein einzigartiges internationales kulturhistorisches Feriendorf entwickeln und aufbauen, um für die Verständigung zwischen Polen und Deutschen einen wesentlichen Beitrag zu leisten.

Polen und Deutsche müssen sich über die gemeinsame wechselhafte Geschichte verständigen, damit das Zusammenwachsen beider Völker im zukünftigen Europa gelingt.

Das kurz beschriebene "Erlebnismuseum" in Form eine "Traditionsdorfes" und vielleicht ähnlich geartete Projekte zur Erhaltung mennonitischer Kulturgeschichte im ehemaligen Westpreußen können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Sie sollen eine zukunftsorientierte kulturell gestaltende Kraft haben, die zur Völkerverständigung beiträgt.

Letzte Aktualisierung ( 18.05.2006 )